Turan Deniz Ergun, Asuman Buyukcan-Tetik, Anik Debrot et al. 

Der Tod eines Kindes belastet in der Regel beide Elternteile sehr. Dennoch gibt es wenige wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie sich dieser Verlust auf die Interaktionen zwischen trauernden Eltern auswirkt.

Wir haben trauernde und nicht trauernde Paare befragt. Ihre Aussagen haben wir bezüglich folgender Aspekte miteinander verglichen: Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von zärtlichen, liebevollen Berührungen? Welche Rolle spielen zärtliche Berührungen für das Erleben von Nähe und Intimität? Gibt es Ähnlichkeiten in der Art, dem Initiieren und der Häufigkeit zärtlicher Berührungen unter den Paaren? 
An unserer siebentägigen Tagebuchstudie nahmen trauernde (228 Paare, 27 Singles) und nicht trauernde (258 Paare, sieben Singles) Personen teil. Trauernde und nicht trauernde Männer unterschieden sich nicht hinsichtlich ihrer Angaben zu zärtlichen Berührungen. Trauernde Frauen hingegen zeigten weniger zärtliche Berührungen als nicht trauernden Frauen. Trotz dieser Diskrepanz ergaben mehrstufige Analysen, dass zärtliche Berührungen bei trauernden und nicht trauernden Paaren das Erleben von Nähe und Intimität beider Geschlechter gleichermaßen förderten. Bei den trauernden Frauen trugen die liebevollen Berührungen auch zur mehr Nähe und Intimität am nächsten Tag bei. Wir konnten auch zeigen, dass Paare über eine höhere Intimität berichteten, wenn beide Partner vergleichsweise mehr liebevolle Berührungen initiierten. Unsere Ergeb-nisse unterstreichen die Ähnlichkeit von trauernden und nicht trauernden Paaren in Bezug auf den Beziehungsgewinn durch liebevolle Berührung und die positive Funktion von zärtlichen Berührungen bei der Bewältigung von Verlusten.

Ergun, T.D.; Buyukcan-Tetik, A.; Debrot, A.; Schut, H.; Stroebe, M. (2024). In contact with grief: Affectionate touch and intimacy in bereaved parents. International Journal of Clinical and Health Psychology, Vol. 24, Nr. 4, S. 100534. doi: 10.1016/j.ijchp.2024.100534

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