Christina Buur, Robert Zachariae, Katrine Komischke-Konnerup et al.

Hintergrund: Die Diagnose „Prolonged Grief Disorder“ (PGD) wurde kürzlich in ICD-11 und DSM-5-TR aufgenommen. Um die Personen identifizieren zu können, die Hilfe bei der Trauerbewältigung benötigen, sind Erkenntnisse darüber wichtig, wer ein Risiko für die Entwicklung einer PGD hat. Wir haben daher eine umfassende systematische Überprüfung und Metaanalyse der verfügbaren Literatur zu Risikofaktoren für anhaltende Trauersymptome (PGS) durchgeführt.

Methoden: Auf der Grundlage einer Literaturrecherche in den Datenbanken PsycInfo, PubMed, Web of Science und CINAHL haben wir jene Risikofaktoren in die Meta-Analyse miteinbezogen, die bereits umfassend erforscht wurden. Als standardisiertes Maß für die Stärke des Zusammenhangs zwischen dem Risikofaktor und PGS wurde die Effektgröße verwendet. 
Ergebnisse: Auf der Grundlage von 120 Studien mit insgesamt 61.580 Teilnehmenden, die zwischen 1989 und 2023 veröffentlicht wurden, wurden 19 Risikofaktoren in die Meta-Analyse aufgenommen. Nach einer Bereinigung zeigten sich die stärksten Zusammenhänge zwischen PGS und der Trauersymptomatik vor dem Verlust (ESr = 0,39, 95%CI [0,24-0,53]) und zwischen PGS und Depression (ESr = 0,30, 95%CI [0,13-0,44]). Geringe, aber statistisch signifikante Zusammenhänge wurden für die Risikofaktoren unerwarteter Tod, gewaltsamer/unnatürlicher Tod, niedriger Bildungsstand, niedriges Einkommen, weibliches Geschlecht, ängstlicher Bindungsstil und der Tod eines Kindes oder Partners festgestellt.
Schlussfolgerungen: Die Studie bietet einen aktualisierten Überblick über die Risikofaktoren für PGS, einschließlich ihrer Vorhersagekraft. Die Ergebnisse dienen der Prävention und der frühzeitigen Identifizierung von Personen mit einem Risiko für die Entwicklung einer PGD.
 
Buur, C.; Zachariae, R.; Komischke-Konnerup, K. B.; Marello, M. M.; Schierff, L. H.; O'Connor, M. (2024). Risk factors for prolonged grief symptoms: A systematic review and meta-analysis. Clinical Psychology Review, Vol. 107, S. 1-11. doi: 10.1016/j.cpr.2023.102375

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich an Hildegard Willmann (h.willmann@trauerforschung.de) und nennen Sie Autor*innen, Jahr und den englischsprachigen Titel der Veröffentlichung.