Bettina Doering, Christina Hanau, Berit Telaar, Rita Rosner
Hintergrund: Gestufte Versorgungsmodelle können die Unterstützung Trauernder verbessern. Dafür ist eine bedarfsgerechte Zuweisung essenziell. Trauerbegleitung kommt die Aufgabe zu, Trauernde weiterzuleiten, die aufgrund einer psychischen Störung mit Krankheitswert therapeutische Unterstützung benötigen. Unklar ist, welches Wissen über psychische Störungen und Kompetenzen Trauerbegleitende für diese Aufgabe benötigen.
Methode: Es wurde eine Online-Delphi-Befragung von 17 Expert:innen der Trauerbegleitung in drei Runden durchgeführt. Die erste Runde ermittelte qualitativ Bereiche von Wissen über psychische Störungen und Kompetenzen, die in zwei konsekutiven Runden quantitativ bezüglich ihrer Wichtigkeit, der Befürwortung ihrer Aufnahme in die Fort- und Weiterbildung sowie ihrer derzeitigen Berücksichtigung in der Fort- und Weiterbildung beurteilt wurden. Die Auswertung erfolgte deskriptiv. Ein Konsens galt als erreicht, wenn mindestens die Hälfte der Expert:innen einen Aspekt als mindestens eher wichtig einschätzte und mindestens 80 % der Expert:innen eine Aufnahme in die Fort- und Wei-terbildung befürworteten. Zudem wurden aus den Freitext-Kommentaren der Expert:innen Empfehlungen ermittelt und konsentiert.
Ergebnisse: Qualitativ wurden 39 Inhaltsbereiche ermittelt, von denen 26 für die Aufnahme in die Fort- und Weiterbildung konsentiert wurden. Sechs davon entfielen auf die Kategorie „Wissen über Trauer‘‘ und fünf auf „Wissen über psychische Störungen‘‘, weitere 15 auf fachliche, persönlichkeitsnahe und Beziehungs- und Kommunikationskompetenzen. Einschätzungen, ob eine ausreichende Berücksichtigung in der Fort- und Weiterbildung stattfindet, variierten stark zwischen den Bereichen.
Diskussion: Die Expert:innen erreichten einen Konsens bezüglich der zu vermittelnden Bereiche von Wissen über psychische Störungen und spezifischen Kompetenzen. Gleichzeitig scheint es im Hinblick auf die Vermittlung von Wissen zur Erkennung eines therapeutischen Unterstützungsbedarfs eine hohe Heterogenität zwischen verschiedenen Angeboten der Fort- und Weiterbildung zu geben.
Schlussfolgerung: Die vorliegenden Empfehlungen können genutzt werden, um Inhalte der Fort- und Weiterbildung in Trauerbegleitung im Hinblick auf die Erkennung therapeutischer Unterstützungsbedarfe zu optimieren.
Doering, B. K.; Hanauer, C.; Telaar, B.; Rosner, R. (2025). Was sollten Trauerbegleitende über psychische Störungen wissen? Ergebnisse einer Delphi-Befragung von Expert:innen. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ). https://doi.org/10.1016/j.zefq.2024.12.010
Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich an Hildegard Willmann (h.willmann@trauerforschung.de) und nennen Sie Autor*innen, Jahr und den Titel der Veröffentlichung.