Sarah Gurley-Green, Lisa Cosgrove, Milutin Kostic, Lauren Koa, Susan McPherson
Als 2013 die fünfte Ausgabe des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-5) veröffentlicht wurde, gab es eine heftige Kontroverse über die Abschaffung der Trauerausschlussklausel.
Die Befürworter dieser Änderung und der vorgeschlagenen Bezeichnung „komplizierte Trauer“ waren der Meinung, dass diese Änderung Klinikern helfen würde, Depressionen im Zusammenhang mit einem kürzlichen Trauerfall zu erkennen. Andere Forscher und Kliniker warnten vor einer Medikalisierung von Trauer. Im Jahr 2022 wurde die „prolongierte Trauerstörung“ (PGD) offiziell in das DSM-5-TR in die Störungsgruppe „Trauma- und stressbezogene Störungen“ aufgenommen. Es überrascht nicht, dass daraufhin die Erforschung von Biomarkern und der Einsatz von Neuroimaging zur Ermittlung der neurobiologischen Grundlagen der PGD vorangetrieben wurde. Einige Forscher haben sogar vorgeschlagen, dass es sich bei der PGD um eine "Störung des Belohnungskreislaufs“ handelt, die der Sucht ähnelt, und dass Naltrexon, ein Opioid-Antagonist, eine vielversprechende Behandlung sein könnte. In diesem Beitrag soll gezeigt werden, wie die Medikalisierung von Trauer eine Forschungsrichtung verstärkt, die sich der Suche nach pharmazeutischen und psycho-logischen „Wundermitteln“ widmet. In Anlehnung an George und Whitehouse (2021) argumentieren wir für die Notwendigkeit eines ökopsychosozialen Ansatzes, der Umwelt- und Kontextfaktoren miteinbezieht.
Gurley-Green, S.; Cosgrove, L.; Kostic, M.; Koa, L.; McPherson, S. (2025). The Iatrogenic Consequences of Medicalising Grief: Resetting the Research Agenda. Sociology of Health and Illness, Vol. 47, Nr. 2, S. e: 13866. https://doi.org/10.1111/1467-9566.13866
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