Hanan Muneer Al Sheikh
Diese Studie untersucht, wie die digitale Fotografie, insbesondere im Kontext sozialer Medien, zeitgenössische Trauerpraktiken verändert.
Anhand phänomenologischer und existentieller Ansätze beleuchtet sie den Übergang von analogen zu digitalen Formaten und dessen Auswirkungen auf die emotionalen, sensorischen und philosophischen Dimensionen der Auseinandersetzung mit Todesbildern. Die Untersuchung stützt sich auf halbstrukturierte Interviews und die Analyse von Social-Media-Inhalten und bietet so eine facettenreiche Betrachtung der Art und Weise, wie digitale Plattformen Trauer vermitteln. Die Kombination aus den Erzählungen der Teilnehmenden und der phänomenologischen Analyse ermöglicht ein differenziertes Verständnis dieser Veränderungen. Die Reflexionen der Teilnehmenden zeigen eine doppelte Dynamik: Digitale Plattformen ermöglichen innovative Formen des Gedenkens und dauerhafte Verbindungen zu den Verstorbenen, mindern jedoch oft die Authentizität und Tiefe der Trauer durch flüchtige und performative Bilder.
Auf der Grundlage der Theorien von Heidegger und Sartre zeigt die Studie auf, wie schneller digitaler Konsum reflektierende Trauerprozesse stören und die Nutzer von einer authentischen Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit entfremden kann. Darüber hinaus beleuchtet diese Studie die existenziellen Herausforderungen, die sich aus der Performativität in sozialen Medien ergeben. Sie untersucht, wie gesellschaftliche Erwartungen den Ausdruck von Trauer und den Umgang mit Todesbildern prägen. Dennoch zeigt die Studie auch das Potenzial von Technologien wie virtuellen Gedenkstätten und Augmented Reality, Trauererfahrungen als sinnhaft zu erleben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein tieferes kulturelles und ethisches Bewusstsein erforderlich ist, um der Kommerzialisierung der Trauer entgegenzuwirken und eine authentische Auseinandersetzung mit dem Verlust zu unterstützen. Die Ergebnisse zeigen, dass ethische Leitlinien, Medienkompetenz und eine bewusste Gestaltung von Plattformen notwendig sind, um die spirituelle Dimension der Trauer zu bewahren und das Verständnis für den Verlust im digitalen Zeitalter zu vertiefen.
Muneer Al Sheikh, H. (2026) Digital mourning: The transformative role of photography in contemporary grief practices, Death Studies, Vol. 50, Nr. 7, S. 1110-1121, DOI: 10.1080/07481187.2025.2476972
Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich an Hildegard Willmann (h.willmann@trauerforschung.de) und nennen Sie Autor*innen, Jahr und den englischsprachigen Titel der Veröffentlichung.

