Jiachun Lu, Meiling Yang, Yingai Cui et al.
Hintergrund: KI-Technologien, die darauf ausgelegt sind, verstorbene Angehörige zu simulieren, oft als „Griefbots“ bezeichnet, entwickeln sich zu einer neuen Unterstützungsform für Trauernde.
Solche Technologien können emotionalen Trost und das Gefühl einer fortbestehenden Verbindung zur verstorbenen Person bieten. Doch sie werfen auch komplexe psychische, ethische und gesellschaftliche Fragen auf. Ziel dieser Studie war es, die öffentliche Wahrnehmung von „Griefbots“ in der Trauerversorgung zu untersuchen. Besondere Beachtung fanden die wahrgenommenen Vorteile, die psychischen und sozialen Risiken, ethische Bedenken sowie die Erwartungen hinsichtlich einer verantwortungsvollen Regulierung und institutionellen Integration.
Methoden: Es wurde ein deskriptiv-phänomenologischer Ansatz gewählt. Es wurden halbstrukturierte Interviews mit 25 Personen aus der Provinz Guangdong in China geführt. Anschließend wurden diese Daten anhand der siebenstufigen Methode von Colaizzi analysiert. Von allen Teilnehmern wurde eine schriftliche Einverständniserklärung eingeholt. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Universität Guangzhou genehmigt.
Ergebnisse: Es wurden vier Themen identifiziert. Hinsichtlich der „Griefbots“ benannten die Teilnehmenden psychosoziale Vorteile wie insbesondere emotionalen Trost, eine fortbestehende Verbindung zum Verstorbenen und ein symbolisches Mittel, um unbewältigte Verluste sowie Bedauern zu verarbeiten. Gleichzeitig äußerten sie Bedenken wie die Störung des natürlichen Trauerprozesses, Unechtheit, Abhängigkeit, psychische Schäden, soziale Ungleichheit, Stigmatisierung sowie ethische Bedenken im Zusammenhang mit der Datennutzung und der posthumen Darstellung. Die Teilnehmenden formulierten zudem Erwartungen hinsichtlich der Gestaltung der Technologie, der Nutzungsgrenzen, der Steuerung und rechtlicher Schutzmaßnahmen. Insgesamt ließ sich die wahrgenommene Akzeptanz nicht einfach als Zustimmung oder Ablehnung zusammenfassen, sondern wurde als bedingt beschrieben, geprägt vom Kontext, der individuellen Bereitschaft und der wahrgenommenen Verletzlichkeit.
Fazit: „Griefbots“ wurden weder als grundsätzlich nützlich noch als grundsätzlich schädlich wahrgenommen. Vielmehr wurde davon ausgegangen, dass Trost und Risiko auf derselben Fähigkeit beruhen, die fortbestehende Präsenz des Verstorbenen zu simulieren. Die öffentliche Wahrnehmung von KI in der Trauerversorgung lässt sich daher am besten als bedingt und verhandelbar beschreiben, was die Notwendigkeit einer sorgfältigen Regulierung und einer verantwortungsvollen Integration in trauerbezogenen Kontexten unterstreicht.
Lu, J., Yang, M., Cui, Y., Liu, Y., Wong, T. K. S., Hu. Y. (2026). Exploring public perceptions of artificial intelligence in bereavement support: a qualitative study of griefbots. Frontiers in Digital Health, Vol. 8, S. 1852514. DOI: 10.3389/fdgth.2026.1852514.
Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich an Hildegard Willmann (h.willmann@trauerforschung.de) und nennen Sie Autor*innen, Jahr und den englischsprachigen Titel der Veröffentlichung.

