Clare Killikelly, Kirsten V Smith, Ningning Zhou, Holly G. Prigerson et al. 

Die anhaltende Trauerstörung (ATS) ist eine psychische Störung, die vor kurzem in die weltweit gültigen Diagnosehandbücher aufgenommen wurde. Dieses Review fasst die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen, welche die aktuelle Konzeptualisierung der anhaltenden Trauerstörung nachweislich unterstützen.

 Es handelt sich bei ATS um eine diagnostizierbare psychische Erkrankung mit Kernsymptomen wie ausgeprägter Sehnsucht, ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Verstorbenen oder beidem. Begleitet werden die Kernsymptome durch Symptome wie intensivem emotionalen Schmerz, Identitätsstörungen, Verlust von Lebenssinn sowie funktionellen Beeinträchtigungen. Die öffentliche und akademische Debatte über die anhaltende Trauerstörung hat die Wissenschaft angespornt, methodisch fundierte Forschungsergebnisse zu liefern, mit denen sie diese dringend erforderliche Diagnose rechtfertigen konnten. Die Anhaltende Trauerstörung als zusammenhängendes Syndrom tritt typischerweise 6 bis 12 Monate nach dem Tod einer nahestehenden Person auf. Eine anhaltende Trauerstörung ist mit vielfältigen negativen Auswirkungen verbunden, darunter gesundheitliche Probleme (z. B. Bluthochdruck), erhöhte Suizidalität, geringe Lebenszufriedenheit und vermehrte Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen. Psychotherapie ist die Behandlung der Wahl bei anhaltender Trauerstörung. Theoretische Modelle zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer anhaltenden Trauerstörung werden derzeit durch die schnell wachsende empirische Literatur weiterentwickelt. Das Bewusstsein für Anhaltende Trauerstörungen bei Allgemeinmedizinern und Fachärzten für psychische Gesundheit ist der Schlüssel zu einer angemessenen frühzeitigen Intervention.

Killikelly, C., Smith, K. V., Zhou, N., Prigerson, H. G., O’Connor, M.-F., Kokou-Kpolou, C. K., Boelen, P. A., Maercker, A. (2025). Prolonged Grief Disorder. Lancet, Vol. 405, S. 1621–32. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(25)00354-X

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich an Hildegard Willmann (h.willmann@trauer-forschung.de) und nennen Sie Autor*innen, Jahr und den englischsprachigen Titel der Veröffentlichung.