Genevieve Creighton, John L. Oliffe, Shauna Butterwick, Elizabeth Saewyc

Junge Männer haben häufig ein schwieriges Verhältnis zu Trauer. Gesellschaftlich geprägte Männlichkeitsideale fordern, dass Männer auf Verluste mit stoischer Gefasstheit reagieren und Traurigkeit oder Verzweiflung bestenfalls in Form von Ärger äußern.

Möglicherweise erklärt die wenig hinterfragte Anpassung an solche Männlichkeitsideale auch die Tatsache, dass es bislang kaum Untersuchungen darüber gibt, wie junge Männer Trauer erleben. Damit ist wenig darüber bekannt, wie sie über Verluste denken, wie sie darauf reagieren und wie sich durch ein tragisches Ereignis ihr Identitätskonzept wandelt. Im Zeitraum von April 2010 bis Dezember 2011 sprachen wir mit 25 Männern zwischen 19 und 25 Jahren. Anhand von persönlichen Interviews und Fotos untersuchten wir, wie junge Männer den Unfalltod eines Freundes verarbeiteten. Die genauen Todesursachen waren dabei vielfältig und reichten von Motorradunfällen über Schlägereien bis hin zur Überdosierung von Drogen oder Ausüben von Extremsportarten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Männer auf den Verlust vor allem mit einem Gefühl der Leere, mit Ärger, stoischer Gefasstheit und auch mit Sentimentalität reagieren. Die Art, wie die Teilnehmer über ihre Trauerreaktionen sprachen, zeigte deutlich ihr Bemühen, Gefühle von Verletzlichkeit mit männlichen Idealen wie Stärke und stoischer Gelassenheit in Einklang zu bringen. Wir erfuhren, wie sie bedingt durch den tragischen Verlust eine neue männliche Identität entwickelten und erhielten Einblick in die Bewältigungsstrategien von Männern. Typische Identitäten nach einem Verlusterlebnis waren der Abenteurer, die Vaterfigur und der Geläuterte. Sie zeigen, dass der Verarbeitungsprozess für Männer ein anderer ist als für Frauen. Die Studienergebnisse bringen neue Erkenntnisse über die Trauer von Männern und deren Identitätsneubildung hervor. Sie wird wahrscheinlich die Erfahrungen von  vielen anderen Männern widerspiegeln und kann als Leitlinie für diejenigen Beratungseinrichtungen dienen, deren Zielgruppe junge Männern sind.

Creighton, Genevieve; Oliffe, John L; Butterwick, Shauna; Saewyc, Elizabeth (2013): “After the death of a friend: Young Men's grief and masculine identities”, in: Social Science & Medicine, Vol. 84, S. 35-43.

Die komplette Arbeit ist zu finden:
Vollständiger Artikel als PDF-Download oder
online abrufbar unter: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277953613001044

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