Angela Nickerson, Belinda J. Liddell, Fiona Maccallum, Zachary Steel, Derrick Silove, Richard A. Bryant

Fragestellung: Menschen aus Krisengebieten machen in hohem Maße traumatische Erfahrungen und erleiden viele Verluste. Dennoch gibt es viel zu wenig Studien darüber, welche unterschiedlichen Symptomprofile bezüglich Trauer und Trauma in dieser Personengruppe zu finden sind. Diese Studie hatte zwei Ziele. (1) Sie wollte feststellen, ob sich die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die komplizierte Trauer (KT) bei diesen Überlebenden klar voneinander abgrenzen lassen. (2) Weiterhin hat die Studie untersucht, ob spezielle Arten von Erfahrungen und Belastungen bestimmte Symptomprofile hervorrufen.

Methoden: An der Studie nahmen 248 erwachsene Mandäer2 teil, die nach Australien geflohen waren, um der Verfolgung im Irak zu entkommen. Sie wurden hinsichtlich einer PTBS, KT, aber auch nach ihren traumatischen Erlebnissen, ihren Anpassungsproblemen nach der Flucht und ihren Englischkenntnissen befragt. Zum Zeitpunkt der Befragung lebten sie im Durchschnitt bereits seit 4,3 Jahren in Australien. Mithilfe eines Klassifikationsverfahrens, der latenten Klassenanalyse, wurden für diese Personengruppe PTBS- und KT-Symptomprofile ermittelt.

Ergebnisse: Die statistische Analyse zeigte, dass sich die Befragten in vier Gruppen einteilen ließen. Die Personen, die gleichermaßen unter PTBS und KT litten, fanden sich in einer Gruppe wieder (16%). Die Befragten, die in erster Linie unter einer PTBS litten (25%), fanden sich in einer anderen Gruppe wieder. Dann gab es noch die Gruppe der Teilnehmer, die in erster Linie an einer KT erkrankt waren (16%) und eine resiliente Gruppe (43%). War eine Person traumatischen Erlebnissen ausgesetzt, erhöhte sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie zur PTBS/ KT Gruppe gehörte. Die Teilnehmer, die der KT-Gruppe angehörten, hatten vermehrt Anpassungsprobleme in der neuen Umgebung. Der Verlust der eigenen Kultur und die fehlende soziale Unterstützung waren die Schwierigkeiten, mit denen die Personen in der PTBS-Gruppe verstärkt zu tun hatten.

Diskussion: Diese Studie belegt, dass das Erleben von massiven Traumata und Verlus-ten zu unterschiedlichen Symptom-Mustern führt. Welche Art von Problemen ein Mensch erlebt, ist abhängig davon, ob er traumatischen Erlebnissen ausgesetzt war oder eher Schwierigkeiten nach der Flucht hatte. In jedem Falle sind die Ergebnisse von grundlegender gesundheitspolitischer Bedeutung, denn es ist wichtig, Traumafolgen zu erkennen und zu behandeln.

Nickerson, Angela; Liddell, Belinda J.; Maccallum, Fiona; Steel, Zachary; Silove, Derrick; Bryant, Richard A. (2014): “Posttraumatic stress disorder and prolonged grief in refugees exposed to trauma and loss”, in: BMC Psychiatry, Vol. 14, Nr. 1, S. 1-11.

Bei Interesse finden Sie den gesamten englischsprachigen Artikel als PDF-Download oder unter http://www.biomedcentral.com/1471-244X/14/106

2 Religiöse Minderheit im Nahen Osten. (Anmerkung der Redaktion)

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