Elizabeth A. Hahn, Kelly E. Cichy, Brent J. Small, David M. Almeida

Fragestellung: Der Tod des Partners kann beim Hinterbliebenen zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes und zu möglicherweise belastenden Veränderungen im Alltag führen. Dennoch wurde bislang kaum erforscht, wie sich die alltäglichen Belastungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden Verwitweter auswirken. Die aktuelle Studie untersucht, welchen alltäglichen Belastungen verheiratete und verwitwete Menschen ausgesetzt sind und wie Verheiratete im Vergleich zu Verwitweten darauf reagieren.

Methoden: In dieser Studie wurden die Angaben von 100 verwitweten und 342 verheirateten Personen, die über 65 Jahre alt waren, ausgewertet. Alle Teilnehmer hatten bei der National Study of Daily Experiences mitgemacht und notierten täglich, welche Erlebnisse ihnen in ihrem Alltag begegneten. Die National Study of Daily Experiences war Teil der zweiten Welle der Langzeitstudie „Midlife in the United States“. Wie belastend die alltäglichen Erlebnisse waren, wurde mit dem Daily Inventory of Stressful Events erfasst. Mit Hilfe eines statistischen Verfahrens, der Mehrebenenanalyse, wurde ermittelt, wie die Teilnehmer auf die Belastungen reagierten. Dabei stellten die körperlichen Beschwerden (somatische Reaktivität) und das Erleben von negativen Emotionen (emotionale Reaktivität) die abhängigen Variablen dar.
Ergebnisse: Insgesamt berichteten die verheirateten Teilnehmer über mehr Belastungen, sie waren insbesondere mehr zwischenmenschlichen Stressoren (z.B. Strei-tigkeiten) ausgesetzt. Beide Personengruppen, verheiratete wie Verwitwete, zeigten Reaktionen auf die alltäglichen Belastungen. Die verheirateten Teilnehmer reagierten mit körperlichen Beschwerden und auf emotionale Weise auf die zwischenmenschlichen Belastungen. Die verwitweten Teilnehmer reagierten stärker somatisch auf die Stressoren, die sich vor allem auf den häuslichen Bereich bezogen.
Diskussion: Den spezifischen Belastungen, denen ältere verwitwete Personen tagtäglich ausgesetzt sind, sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Denn so könnten sie verringert werden und die körperliche Beeinträchtigung der Verwitweten ließe nach.

Hahn, Elizabeth A.; Cichy, Kelly E.; Small, Brent J.; Almeida, David M. (2014): “Daily emotional and physical reactivity to stressors among widowed and married older adults”, in: Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, Vol. 69, Nr. 1, S. 19–28.

Bei Interesse finden Sie den gesamten englischsprachigen Artikel hier als PDF-Download.

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