Lindsay M. Pitzer, C. S. Bergeman

Fragestellung: In dieser Studie wurde untersucht, inwieweit Witwen positive und negative Gefühle gleichzeitig erleben (synchron), oder ob sie zwischen positiven und negativen Gefühlen hin- und her schwanken (a-synchron) oder beide Gefühlszustände als Extreme erleben (de-synchron). Dabei wurde ebenfalls ermittelt, ob individuelle Stimmungsmuster eine langfristige Anpassung an den Verlust vorhersagen können.

Methoden: An der Studie nahmen 34 Witwen teil, die aus der Notre Dame Widowhood Study ausgewählt wurden. Sie alle waren jeweils nicht länger als 4 Monate verwitwet und füllten über einen Zeitraum von 98 Tagen täglich einen Fragebogen aus, in denen sie Auskunft über ihre positiven wie auch negativen Gemütszustände gaben. Zusätzlich beantworteten sie über ein Jahr hinweg jeweils im Abstand von vier Monaten weitere Follow-up Fragebögen, die auch langfristig einen Einblick in die Gemütszustände geben sollten.
Ergebnisse: Die Auswertung (Mehrebenenanalyse) zeigt, dass die Befragten im Durchschnitt positive wie negative Gemütszustände eher als zwei gegensätzliche Extreme erlebten, wobei es große individuelle Unterschiede gab. Es zeigte sich aber auch, dass mit zunehmender Zeit nach dem Tod des Partners das Erleben dieser Extremzustände nachließ. Die individuellen Unterschiede machen jedoch Vorhersagen über die langfristige Anpassung an den Verlust möglich. Ferner ließen sich die individuellen Trauerverläufe zwei Mustern zuordnen: Resilienz (d.h. Rückgang der extremen Stimmungsschwankungen) und verzögerte negative Reaktion (d.h. starke Stimmungsschwankungen zu Beginn, leichte Verbesserung und dann wieder starke Verschlechterung). Beide Muster lassen Vorhersagen über das aktuelle Ausmaß der Trauer zu.
Diskussion: Die Diskussion konzentriert sich (a) auf die individuellen Unterschiede in Bezug auf Stimmungsmuster (b) auf die dynamischen Prozesse, in die negative und positive Gefühlen eingebettet sind und (c) die Vorhersagekraft der Synchronizitätswerte.

Pitzer, Lindsay M.; Bergeman, C.S. (2014): „Synchrony in affect among stressed adults: the Notre Dame Widowhood Study”, in: Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, Vol. 69, Nr. 1, S. 29–39.
 
Bei Interesse finden Sie den gesamten englischsprachigen Artikel hier als PDF-Download.

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