Adam T. Morris, Crystal Gabert-Quillen, Sarah Friebert, Nancy Carst, Douglas L. Delahanty

Hintergrund: Familien in den USA werden in Pediatric Palliative Care (PPC) Programme überwiesen, sobald bei einem Kind eine lebensverkürzende Erkrankung festgestellt wird. Wenn das Kind dann stirbt, bieten diese PPC Programme in der Regel verschiedene Arten der Trauerbegleitung an, wobei sich diese häufig nur an die Eltern richten.

Wissenschaftlich gesehen ist derzeit noch weitgehend unklar, welche Faktoren dazu führen, dass auch der Bruder oder die Schwester des verstorbenen Kindes Schwierigkeiten bei der Verlustverarbeitung entwickeln. Diese Unkenntnis beeinträchtigt die Möglichkeiten, empirisch gestützte Maßnahmen zu entwickeln, die im Rahmen der PPC Programme auch für die Geschwister angeboten werden können.
Ziele: Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen den psychischen Belastungen der Eltern und denen der Geschwisterkinder nach dem Tod eines Kindes (z.B. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Komplizierte Trauer (KT) und Depression). Zusätzlich wurde untersucht, inwieweit die Fähigkeit der Eltern, ihre Elternrolle auszuüben, sich indirekt auf die psychische Gesundheit der Geschwisterkinder auswirkte. Hierfür wurde das Erziehungsverhalten der Eltern untersucht (z.B. positives Erziehungsverhalten und elterliche Präsenz), wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede gelegt wurde.
Methoden: Sechzig verwaiste Eltern und Geschwisterkinder (im Alter von 8 bis 18 Jahren), die sich zwischen 2008 und 2013 für ein PPC Programm anmeldeten, beantworteten Fragebögen zu PTBS, KT und Depression im Hinblick auf den Verlust eines Kindes bzw. Geschwisterkindes. Die Geschwister wurden zudem zum Erziehungsverhalten der Eltern befragt.
Ergebnisse: Die Merkmale einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Komplizierten Trauer bei den Müttern standen in einem direkten Zusammenhang mit dem seelischen Befinden der Geschwister. Bei den Vätern zeigte sich dieser Zusammenhang hingegen nicht. Das Befinden der Väter stand jedoch indirekt über das Erziehungsverhalten in Verbindung mit der seelischen Verfassung der Kinder (z.B. durch ein weniger positives Erziehungsverhalten).
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, zu untersuchen, welchen Einfluss der Verlust eines Kindes sowohl auf den Vater als auch auf die Mutter hat. Denn die psychischen Reaktionen von Mutter und Vater wirken sich unterschiedlich auf die Geschwisterkinder aus. Weiterhin machen sie deutlich, wie wichtig es ist, bei psychischen Problemen in Folge eines Verlustes das System Familie im Blick zu behalten.

Morris, Adam T.; Gabert-Quillen, Crystal; Friebert, Sarah; Carst, Nancy; Delahanty, Douglas L. (2016): “The Indirect Effect of Positive Parenting on the Relationship Between Parent and Sibling Bereavement Outcomes Following the Death of a Child”, in: Journal of Pain and Symptom Management, Vol. 51, Nr. 1, S. 60-70.

Bei Interesse finden Sie den gesamten englischsprachigen Artikel hier als PDF-Download oder http://www.jpsmjournal.com/article/S0885-3924%2815%2900458-3/pdf

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