Katherine J. Gold, Ananda Sen, Irving Leon

Nach einer Totgeburt oder nach einem plötzlichen Kindstod kämpfen Eltern häufig mit der Frage, wer am Geschehenen schuld ist. Dies kann im Rahmen der Bewältigung hilfreich sein. Es kann aber auch negative Auswirkungen haben und zu chronischen und dysfunktionalen Zuständen führen.

In unserer Studie befragten wir verwaiste Mütter aus Michigan 15 Monate nach einer Totgeburt zum Thema Schuldgefühle, Schuldzuweisungen und anderen damit möglicherweise verbundenen Faktoren. Neben den Auskünften der Mütter konnten wir auch auf Daten des Staates Michigan, auf die Geburten- und Sterberegister, zugreifen. Insgesamt nahmen 311 Mütter an der Befragung teil. 15 Monate nach dem Verlust berichteten die Meisten von Schuldgefühlen und Selbstanklagen. In einer multinominalen logistischen Regression zeigte sich, dass Mütter, die unter Depressionen litten und zwischenmenschliche Gewalt erfuhren, stärkere Schuldgefühle erlebten. Fast die Hälfte der Frauen gab den medizinischen Fachkräften die Schuld an ihrem Verlust und etwa ein Fünftel der Frauen hatte das Gefühl, ihr Umfeld würde ihnen die Schuld am Tod des Kindes zuweisen. In beiden Fällen rief dies bei den Müttern stärkere Schuldgefühle hervor. Die meisten Frauen berichteten von einem dauerhaften Schuldgefühl nach der Totgeburt. Eine Depression nach 9 oder 15 Monaten erwies sich als starker Prädiktor für ausgeprägte Schuldgefühle.

Gold, Katherine J.; Sen, Ananda; Leon, Irving (2017): “Whose Fault Is It Anyway? Guilt, Blame, and Death Attribution by Mothers After Stillbirth or Infant Death”, in: Illness, Crisis & Loss, Vol. 26, Nr. 1, S. 40-57.

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de.

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