Jie Li, Jorge N. Tendeiro, Margaret Stroebe

Diese Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie Schuldgefühle und seelisches Wohlbefinden bei Hinterbliebenen miteinander zusammenhängen. Dabei geht es insbesondere um die möglichen Unterschiede zwischen der Verbindung von Schuld und Komplizierter Trauer beziehungsweise von Schuld und Depression.

Insgesamt nahmen 1358 chinesische Hinterbliebene an der Studie teil. Lag der Verlust zum Zeitpunkt der Befragung weniger als zwei Jahre zurück, bearbeiteten die Teilnehmer den Fragebogen ein Jahr später noch einmal. Das war bei 194 Personen der Fall (N=194). In der Auswertung zeigte sich: Je größer die Schuldgefühle waren, desto höher auch die Ausprägung von Komplizierter Trauer und Depression. Anhand der Stärke der Schuldgefühle zu Beginn des Trauerprozesses ließ sich auch das Auftreten von Komplizierter Trauer und Depression ein Jahr später vorhersagen. Die verlustbezogenen Schuldgefühle führten aber eher zu Komplizierter Trauer als zu Depressionen. Das Maß an Schuldgefühl beziehungsweise ob jemand wirklich einen Fehler begangen hat oder sich „nur“ für etwas verantwortlich fühlt, sind Aspekte, die eher mit Komplizierter Trauer als mit Depressionen in Zusammenhang standen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass das Schuldempfinden einen großen Einfluss auf die seelische Gesundheit der Hinterbliebenen hat. Möglicherweise ist es ein zentrales Merkmal, das dabei helfen könnte, die Personen zu identifizieren, die infolge eines Verlustes eine Komplizierte Trauer oder Depressionen erleben werden.

Li, Jie; Tendeiro, Jorge N.; Stroebe, Margaret (March 2018): “Guilt in bereavement: Its relationship with complicated grief and depression”, in: International Journal of Psychology, Epub ahead of print.

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de.

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