Julian Burger, Margaret S. Stroebe, Pasqualina Perrig-Chiello, Henk A. W. Schut, Stefanie Spahni, Maarten C. Eisma, Eiko I. Fried

Hintergrund: Frühere Netzwerkanalysen zeigten, dass der Tod eines geliebten Men-schen häufig mit bestimmten depressiven Symptomen einhergeht, wie vor allem Einsamkeit. Diese zieht andere depressive Symptome nach sich. In der vorliegenden Studie erweiterten wir vorangegangene Untersuchungsergebnisse. Wir verglichen die Netzwerkstrukturen depressiver Symptome von Menschen, die ihren Ehepartner entweder durch den Tod oder durch Trennung verloren hatten.

Methoden: An der Studie zum Beziehungsleben älterer Menschen in der Schweiz nahmen 145 Hinterbliebene, 217 getrennt Lebende und 362 verheiratete Personen teil, wobei die letztgenannte Gruppe als Kontrollgruppe diente. Wir werteten die Daten anhand des Gaussian Graphical Models aus und verglichen die Intensität der Symptome zwischen verwitweten und getrennten Personen.
Ergebnisse: Verglichen mit den verwitweten Personen erlebten Getrennte ein weniger wohlwollendes Umfeld und sie neigten dazu, sich selbst Versagen vorzuwerfen. Doch beide Arten des Partnerverlustes sind verbunden mit Einsamkeit. Diese wiederum steht in Beziehung zu verschiedenen depressiven Symptomen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass der Zusammenhang zwischen Einsamkeit und dem Erleben, versagt zu haben, bei getrennt Lebenden stärker ausgeprägt war als bei Verwitweten. Umgekehrt gab es bei der Gruppe der Hinterbliebenen einen stärkeren Zusammenhang zwischen Einsamkeit und „getting going“ (dt. etwa: wieder Tritt fassen).
Einschränkungen: Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine Querschnittsstudie mit between-subjects Design, das nur schwer Rückschlüsse auf die individuellen Prozessdynamiken zulässt. Weiterhin zeigten sich bei einigen Parametern Über-schneidungen der Konfidenzintervalle, was die Aussagekraft bezüglich ihrer Reihenfolge und Anordnung beeinträchtigt. Replikationsstudien sollten daher mehrere Messzeitpunkte und größere Stichproben berücksichtigen.
Schlussfolgerungen: Diese Studie bestätigt, dass die Ausprägung depressiver Symptommuster vom jeweiligen Kontext abhängig ist. Eine Replikationsstudie mit einem within-subjects Design kann dazu beitragen, patientenzentrierte Behandlungsansätze zu entwickeln, die auch die kontextuellen Faktoren berücksichtigen.

Burger, Julian; Stroebe, Margaret S.; Perrig-Chiello, Pasqualina; Schut, Henk A. W.; Spahni, Stefanie; Eisma, Maarten C.; Fried, Eiko I. (2020): “Bereavement or breakup: Differences in networks of depression“, in: Journal of Affective Disorders, Vol. 267, S. 1-8.

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de

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