Claudia Gamondi, Tanja Fusi-Schmidhauser, Anna Oriani, Sheila Payne, Nancy Preston

Hintergrund: Die Erfahrungen von Familienmitgliedern mit dem assistierten Sterben eines Angehörigen sind bislang nicht ausreichend untersucht worden und Familien werden in klinischen Leitlinien bezüglich des assistierten Sterbens selten berücksichtigt.

Ziel: Das vorliegende Review untersucht die Erfahrungen von Familienmitgliedern hinsichtlich des assistierten Sterbens systematisch.  
Design: In dieser Studie wurde eine systematische Literaturrecherche mit thematischer Synthese durchgeführt.
Studienquellen: Für die Literaturrecherche wurden die Datenbanken MEDLINE, Embase, CINAHL, AMED (Allied and Complementary Medicine) und PsycINFO genutzt. Berücksichtigung fand Literatur von Januar 1992 bis Februar 2019. Eingeschlossen wurden Studien, die Erfahrungen von Familienangehörigen mit legal durchgeführtem assistiertem Sterben erforschten. Ausgeschlossen wurden Studien, die vor der Legalisierung des assistierten Sterbens stattfanden, sowie Sekundärdatenanalysen und Stellungnahmen.
Ergebnisse: 19 Artikel erfüllten die Einschlusskriterien. Sie stammten aus vier Ländern: Niederlande, USA (Oregon, Washington und Vermont), Kanada und Schweiz. Die nie­derländischen Studien befassten sich insbesondere mit der Rolle der Familienangehö­rigen bei der Sterbehilfe. Die Studien aus der Schweiz und den USA berichteten nur über den assistierten Suizid. Elf Studien hatten ein qualitatives Design, mit überwiegend ausführlichen Interviews. In sieben Fällen wurden retrospektive Umfragestudien durchgeführt. Fünf Themen konnten hinsichtlich der Erfahrungen Familienangehöriger mit dem assistierten Sterben identifiziert werden: (1) die Umstände der Entscheidungsfindung, (2) die Fundierung der Entscheidung, (3) die kognitive und emotionale Arbeit, (4) das Erleben des endgültigen Abschieds und (5) Leid und Trauer. Die Ergebnisse zeigen, dass dort, wo eine offene Kommunikation gegeben war, Familienmitglieder für einen Angehörigen bei dem Wunsch nach assistiertem Sterben stark unterstützend sein können. Wie sehr sie involviert waren, schien jedoch abhängig von der Gesetzgebung des Landes und der Wahrnehmung der Familien hinsichtlich der sozial-gesellschaftlichen Akzeptanz des assistierten Sterbens zu sein.   
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Angehörige unabhängig von der jeweiligen Gesetzeslage in den Entscheidungsprozess und an der Umsetzung des assistierten Sterbens eingebunden sind. Die Bedürfnisse der Angehörigen sind unzureichend erforscht. Klinische Leitlinien sollten Empfehlungen hinsichtlich der Erforschung der Bedürfnisse Angehöriger enthalten und angeben, wie man ihnen evidenzbasierte Interventionen anbieten kann.  

Gamondi, Claudia; Fusi-Schmidhauser, Tanja; Oriani, Anna; Payne, Sheila; Preston, Nancy (2019): “Family members’ experiences of assisted dying: A systematic literature review with thematic synthesis“, in: Palliative Medicine, Vol. 33, Nr. 9, S. 1-15.

Bei Interesse am gesamten englischsprachigen Artikel wenden Sie sich an h.willmann@trauerforschung.de.

Linktipp:
Trauer in Zeiten von COVID-19

www.gute-trauer.de

 



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