Karolijne van der Houwen, Margaret Stroebe, Henk Schut, Wolfgang Stroebe, Jan van den Bout
 
Bislang hat sich die Forschung wenig mit den Bewältigungsstrategien befasst, die zwischen Risikofaktoren und Verlustverarbeitung vermitteln. Die Kenntnis dieser Prozesse ist jedoch insofern wichtig, da sie hilft zu erklären, warum einige Trauernde eher Gefahr laufen eine komplizierte Trauer zu entwickeln als andere. Des Weiteren hilft sie dabei, Interventionen gezielt zu entwickeln.

In dieser internationalen Langzeitstudie wurde untersucht, wie drei potenziell negativ wirksame Bewältigungsstrategien (Grübeln, negative Bewertung der eigenen Trauerreaktionen, bewusstes Vermeiden von Trauer) mit bekannten Risikofaktoren (z.B. plötzlicher Tod, Bindungsstil) zusammenwirken. Der Einfluss wurde anhand von vier wesentlichen Merkmalen des Ergebnisses der Verlustverarbeitung (d.h. bereavement outcome) gemessen: Kummer, depressive Symptome, emotionale Einsamkeit und positive Stimmung. An der Studie haben Hinterbliebene teilgenommen, deren Verlust nicht länger als drei Jahre zurücklag. Sie wurden gebeten, einen Fragebogen jeweils zu Beginn der Studie, nach drei bzw. sechs Monaten zu bearbeiten.  
Die Ergebnisse zeigen, dass das Grübeln und - in einem etwas geringeren Ausmaß - die negative Bewertung der eigenen Trauerreaktionen einen bedeutenden Einfluss darauf haben, wie sich bestimmte Risikofaktoren in der Verlustverarbeitung auswirken. Dabei ist wichtig zu betrachten, dass der Einfluss dieser beiden Bewältigungsstrategien sowohl von den spezifischen Risikofaktoren als auch spezifischen Merkmalen der Verlustverarbeitung abhängig waren. Ein Beispiel: Die Wirkung des Risikofaktors Neurotizismus auf das Merkmal Kummer wurde von beiden Bewältigungsstrategien beeinflusst (in einem Ausmaß von 73 %). Die Wirkung von Neurotizismus auf die positive Stimmung hingegen wurde nur durch Grübeln beeinflusst und dies auch nur in geringerem Ausmaß (23 %). Einige der Risikofaktoren, wie beispielsweise die aktuelle finanzielle Situation oder die Spiritualität, wurden von keiner der Bewältigungsstrategien beeinflusst. Welche Bedeutung die Befunde haben, wird in diesem Artikel diskutiert.

van der Houwen, Karolijne; Stroebe, Margaret; Schut, Henk; Stroebe, Wolfgang; van den Bout, Jan (2010): „Mediating processes in bereavement: The role of rumination, threatening grief interpretations, and deliberate grief avoidance“, in: Social Science & Medicine, Vol. 71, Nr. 9, S. 1669-1676.

Den gesamten englischsprachigen Artikel als PDF-Download.

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