Donald J. Robinaugh, Nicole J. LeBlanc, Heidi A. Vuletich, Richard J. McNally

Komplizierte Trauer (KT) ist ein spezifisches Syndrom, welches durch einen bedeutsamen Verlust ausgelöst wird und durch dauerhaft anhaltenden und beeinträchtigenden Kummer gekennzeichnet ist. Die Erforschung dieses Syndroms orientiert sich überwiegend an traditionellen Modellen der latenten Variablen. Diese gehen davon aus, dass Symptome ein zugrunde liegendes hypothetisches Konstrukt widerspiegeln.

Der Netzwerkansatz (The network - or causal system - approach) bietet einen alternativen Rahmen zum Verständnis von KT, da er umfassender vorgeht. Der Netzwerkansatz in der Psychopathologie geht davon aus, dass Symptome sich zur Störung mereologisch verhalten, also wie Teile zum Ganzen, und nicht reflexiv. Dies bedeutet, dass die Symptome nicht die Zeichen einer Störung sind, sondern diese begründen. In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass die KT ein kausales System aus sich gegenseitig verstärkenden Symptomen darstellt. Diese werden nach dem Tod eines geliebten Menschen in Gang gesetzt und erreichen mit der Zeit eine gewisse Stabilität, die aber pathologisch ist. In unserer Studie analysierten wir die Daten der Changing Lives of Older Couples Studie, um herauszufinden, welche Symptome den Kern der KT bilden. Daraufhin bildeten wir die KT mittels Netzwerkanalyse ab und machten gleiches mit den Symptomen einer Depression. Einige Symptome kamen sowohl im Netzwerk der KT als auch der Depression vor. Weiterhin untersuchten wir, wie bekannte Risikofaktoren zur Entwicklung und Aufrechterhaltung von KT beitragen. Zusammengefasst stellen die Ergebnisse einen ersten Schritt in Richtung eines neuen, umfassenderen Verständnisses von Komplizierter Trauer dar.

Robinaugh, Donald J.; LeBlanc, Nicole J.; Vuletich, Heidi A.; McNally, Richard J. (2014): “Network analysis of persistent complex bereavement disorder in conjugally bereaved adults”, in: Journal of Abnormal Psychology, Vol. 123, Nr. 3, S. 510-522.

Bei Interesse am gesamten englischsprachigen Artikel wenden Sie sich bitte an:
h.willmann@trauerforschung.de

(2)    Im Originaltext wird der Begriff Persistent complex bereavement disorder (PCBD) verwendet. Er bezeichnet in anderer Weise das, was auch prolonged grief, traumatic grief oder complicated grief genannt wird. Damit es nicht zu inhaltlichen oder sprachlichen Verwirrungen im Deutschen kommt, sprechen wir nur von Komplizierter Trauer.

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