Sumati Gupta, George A Bonanno

Es gibt vermehrt wissenschaftliche Belege dafür, dass Probleme bei der Regulierung von Emotionen zentral für die Anpassungsschwierigkeiten nach einem Verlust sind. Flexible Ausdrucksfähigkeit, d.h. die Fähigkeit je nach Situation Gefühle zu zeigen oder zu unterdrücken, scheint für die Anpassungsprozesse nach einem kritischen Lebensereignis von besonderer Bedeutung zu sein (Bonanno, Papa, Lalande, Westphal, & Coifman, 2004).

In dieser Studie haben wir untersucht, wie flexibel zwei Gruppen von Menschen ihre Emotionen regulieren können. Die eine Gruppe bestand aus verwitweten Personen, deren Ehepartner zwischen eineinhalb und drei Jahren tot war. Die Vergleichsgruppe bestand aus verheirateten Erwachsenen. Ungefähr die Hälfte der verwitweten Personen litt an Komplizierter Trauer, die andere Hälfte war diesbezüglich nicht belastet. Alle Teilnehmer wurden gebeten, sich emotionale Fotos auf einem Bildschirm anzusehen und dabei
a) keine emotionalen Reaktionen zu zeigen
b) den Ausdruck der Emotion zu verstärken und
c) sich ganz natürlich zu verhalten.

Die Einschätzung der Regulierungsfähigkeit durch Beobachter, die keine Informationen über die Gruppenzugehörigkeit der einzelnen Teilnehmer hatten, ergab keinen generellen Gruppenunterschied. Verwitwete, die an Komplizierter Trauer litten, zeigten jedoch eine mangelnde emotionale Flexibilität. Im Vergleich zu nicht belasteten Trauernden und verheirateten Erwachsenen fiel es Teilnehmern mit Komplizierter Trauer sowohl schwerer, Gefühle zu verstärken als auch den Gefühlsausdruck zu unterdrücken.

Gupta, Sumati; Bonanno, George A. (2011): „Complicated Grief and Deficits in Emotional Expressive Flexibility”, in: Journal of Abnormal Psychology, Vol. 120, Nr. 3, S. 635-643, online kostenfrei abrufbar bei ResearchGate.

Bei Interesse finden Sie den gesamten englischsprachigen Artikel hier als PDF-Download.

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