Jeffrey R. Lacasse, Joanne Cacciatore

Diese Studie untersucht die Verschreibungspraxis von Psychopharmaka an trauernde Eltern, die eine Totgeburt bzw. den Tod eines Neugeborenen erlebt haben. Hierfür werteten wir die Daten einer Querschnittsbefragung aus, an der 235 trauernde Eltern teilnahmen, die sich in einer online Trauergruppe austauschten. Von den Befragten gaben 88 Personen an, dass ihnen Psychopharmaka verschrieben worden waren.

Am häufigsten waren dies Antidepressiva (n = 70, 79.5%) gefolgt von Benzodiazepinen/Schlafmitteln (n = 18, 20.5%). Viele Rezepte wurden den Betroffenen bereits kurz nach dem Verlusterlebnis ausgestellt. 32.2% erhielten das Rezept innerhalb der ersten 48 Stunden, 43.7% erhielten es innerhalb der ersten Woche und 74.7% innerhalb des ersten Monats. Die meisten Rezepte stellten die Ärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus. Der Großteil der Befragten, denen ein Antidepressivum verschrieben worden ist, nahm das Medikament über einen längeren Zeitraum ein. Unsere Stichprobe ist selektiv. Dennoch werfen diese Daten beunruhigende Fragen auf. Sie betreffen die Verschreibungspraxis von Psychopharmaka, wenn Eltern von einer Totgeburt oder dem Tod eines Neugeborenen betroffen sind.

Lacasse, Jeffrey R.; Cacciatore, Joanne (2014): “Prescribing of Psychiatric Medication to Bereaved Parents Following Perinatal/Neonatal Death: An Observational Study”, in: Death Studies, Vol. 38, Nr. 9, S. 589–596.

Bei Interesse am gesamten englischsprachigen Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de

Linktipp:
Trauer in Zeiten von COVID-19

www.gute-trauer.de

 



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