Catherine Newsom, Henk Schut, Margaret S. Stroebe, Stewart Wilson, John Birrell, Mirjam Moerbeek, Maarten C. Eisma

In dieser kontrollierten Langzeitstudie wurde die Wirksamkeit eines Trauerberatungskonzeptes für Erwachsene zur Verringerung von Symptomen der Komplizierten Trauer untersucht.

An der Studie nahmen 344 Hinterbliebene aus Schottland teil. Die Mehrheit (79%) der Teilnehmer war weiblich und das Durchschnittsalter lag bei 49.3 Jahren. Sie betrauerten den Verlust des Partners oder eines ihnen nahestehenden Angehörigen und zeigten Merkmale einer komplizierten Trauer und/oder hatten ein erhöhtes Risiko, eine komplizierte Trauer zu entwickeln. Wir gingen von der Annahme aus, dass sich bei den Teilnehmern, die der Interventionsgruppe zugelost worden sind, die Symptome der Komplizierten Trauer unmittelbar nach der Intervention stärker reduzieren würden als in der Kontrollgruppe. Weiterhin gingen wir davon aus, dass sich dieser Effekt beim Follow-up wieder verkleinern würde (aufgrund von Rückfällen). Insgesamt wurden die Teilnehmer zu drei Zeitpunkten befragt: Vor der Intervention (Baseline, T), nach der Intervention (T + 12 Monate später) und dann nochmals in einem Follow-up (T + 18 Monate später). Die Fragebögen erhielten die Teilnehmer per Post. Zu allen drei Zeitpunkten wurden die Symptome der komplizierten Trauer, des posttraumatischen Stresses sowie das allgemeine psychische Befinden abgefragt. Um die Unterschiede zwischen den Gruppen in der Symptomschwere über die Zeit vergleichbar zu machen, wurde eine Mehrebenenanalyse mit Kontrolle der Kovariate durchgeführt.     
Mittels seriellem Gatekeepings wurden die Hypothesen schrittweise überprüft. Entgegen unserer Erwartungen zeigte sich, dass unmittelbar nach der Intervention die Teilnehmer beider Gruppen eine vergleichbar starke Verringerung der Symptome komplizierter Trauer aufwiesen. Allerdings zeigte sich, dass die Teilnehmer der Interventionsgruppe nach 18 Monaten weniger Symptome aufwiesen (M = 53.64; d = .33) als die der Kontrollgruppe (M = 62.00). Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die semiprofessionelle und ehrenamtliche Trauerberatung langfristig positive Effekte haben kann. Weitere Langzeitstudien, die die Effekte über noch größere Abstände hinweg untersuchen, sollten nun folgen, um die Ergebnisse dieser Studie einordnen zu können.

Newsom, Catherine; Schut, Henk; Stroebe, Margaret; Wilson, Stewart; Birrell, John Birrell; Moerbeek, Mirjam; Eisma, Maarten C. (2017): “Effectiveness of bereavement counselling through a community-based organization: A naturalistic, controlled trial”, in: Clinical Psychology and Psychotherapy, Vol. 24, Nr. 6, S.1–12.

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de.

Linktipp:
Trauer in Zeiten von COVID-19

www.gute-trauer.de

 



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