Patricia Robson, Dr. Tony Walter

Zwei Aspekte des Konzeptes „disenfranchised grief” (sozial nicht anerkannte Trauer) werden untersucht. Zum einen seine dualistische Annahme, dass Trauer nur entweder sozial anerkannt oder aber sozial nicht anerkannt wird. Zum anderen wird die Forderung des Konzeptes untersucht, Trauer solle nicht sozial reguliert werden. Im Hinblick auf die Art der Beziehung des Trauernden zum Verstorbenen argumentieren wir, dass die sozialen Normen hinsichtlich der Berechtigung trauern zu dürfen nicht binär (ja-nein) angelegt sind. Vielmehr lässt sich auf einer Skala oder in einer Hierarchie anordnen, wer mehr oder weniger trauern darf.

Oft ist die Situation aber auch noch komplexer. Wir stellen ein Instrument vor, mit dessen Hilfe Verlusthierarchien abgebildet werden können und beschreiben eine solche Anordnung, die mit diesem Instrument im Rahmen einer britischen Studie identifiziert wurde. Wenn wir davon ausgehen, dass Normen über Verlust und Trauer nicht binär sondern hierarchisch sind, wie ist es dann möglich, dass das Konzept der sozial nicht anerkannten Trauer (welches von sich beansprucht, eine Theorie über soziale Normen zu sein) in der Trauerforschung und klinischen Praxis widerspruchslos aufgenommen worden ist? Wir betrachten die rhetorische Bedeutung des Konzeptes im Rahmen postmoderner Regulierung von Trauer sowie die verführerische emanzipatorische Symbolik für die Praxis, sind jedoch der Meinung, dass der Nutzen des Konzeptes sowohl für die klinische Praxis als auch für die empirische Erforschung von Trauerregeln begrenzt ist.

Robson, Patricia; Walter, Tony (2012): „Hierarchies of loss: a critique of disenfranchised grief”, in: OMEGA, Vol. 66, Nr. 2, S. 97-119.

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