Dr. Margaret Stroebe, Dr. Henk Schut

Herkömmliche Theorien über effektive Wege zur Bewältigung eines bedeutsamen Verlustes haben Schwachstellen, insbesondere in Bezug auf die so genannte „Hypothese der Trauerarbeit“.

Zu kritisieren ist an solchen Theorien,
dass Begriffe und Konzepte ungenau definiert sind,
dass sie nicht in der Lage sind, die Dynamik in der Trauerbewältigung, welches ein charakteristisches Merkmal ist, abzubilden,
dass sie nicht ausreichend empirisch belegt sind und dass ihre kultur- und epochenübergreifende Gültigkeit nicht erwiesen ist und
dass sie ihren Blick auf intrapsychische Prozesse und gesundheitsbezogene Auswirkungen beschränken.

Aus diesem Grund stellen wir hier ein überarbeitetes Modell der Verarbeitung von Trauer vor: das Duale Prozessmodell. Dieses Modell unterscheidet zwischen zwei Arten von Stressoren: verlustorientierten Stressoren (z.B. den Umständen des Todes, der Beziehung zum Verstorbenen, den aufkommenden Erinnerungen)1 und wiederherstellungsorientierten Stressoren (z.B. dem Unverständnis der Freunde, ev. einem Umzug, der Einsamkeit)2. Es geht von einem dynamischen, regulativen Prozess des Oszillierens zwischen beiden Stressorenarten aus, in dem der Trauernde die unterschiedlichen Aufgaben aus dem jeweiligen Bereich mal in Angriff nimmt und zu anderen Zeiten mal vermeidet. Das Modell schlägt vor, adaptives Trauerbewältigungsverhalten als dynamischen Prozess aus Konfrontation und Vermeidung von verlust- und wiederherstellungsbezogenen Stressoren zu sehen. Außerdem plädiert es dafür, die Bedeutung anzuerkennen, die der Dosierung von Trauer zukommt. Damit ist gemeint, dass es im Umgang mit beiden Stressorenarten ein integraler Bestandteil angemessenen Bewältigungsverhaltens ist, immer wieder eine Pause einlegen zu dürfen.

Wir diskutieren Forschungsergebnisse, die dieses Konzept stützen. Darüber hinaus beschreiben wir die Bedeutung des Modells für die Betrachtung von komplizierter Trauer, für die Analyse von Unterschieden zwischen verschiedenen Personengruppen (z.B. Männer vs. Frauen)3 und für soziale Aspekte in Bewältigungsprozessen.

Stroebe, Margaret, Schut, Henk (1999): „The dual process model of coping with bereavement: rationale and description”, in: Death Studies, Vol. 23, Nr. 3, S. 197-224.

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1 Einfügung der Übersetzerin
2 Einfügung der Übersetzerin
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