Tony Walter

Heutzutage werden in der Vorstellung einiger Menschen Verstorbene zu Engeln. Anhand von wissenschaftlichen Studien aber auch Anekdoten wird dieser Idee nachgegangen. Dabei werden in diesem Beitrag folgende Fragen untersucht: Wer wird zum Engel? Welche Personen glauben daran? Wie verhalten sich Engel, die ehemals Menschen waren? Wie sehen sie aus? Wo und wann kann man ihnen begegnen? Und in welcher Weise wird an sie geglaubt?

Auf Friedhöfen, Tattoos oder am Sterbebett sieht man Darstellungen von Engeln, doch am häufigsten begegnet man ihnen im Internet. Sowohl das Internet als auch Engel können als Medien oder Botschafter verstanden werden, die unsere Welt mit dem Jenseits verbinden. Im Gegensatz zu passiven Seelen, die im Himmel und somit von den Lebenden getrennt sind, können Engel handeln, (a) indem sie im Himmel weiter so aktiv sind, wie sie es auch auf Erden waren und (b) indem sie weiterhin über jene Menschen wachen, die nach wie vor ihre Fürsorge und Führung brauchen. Engel sind somit Ausdruck einer fortgesetzten Bindung zwischen den Lebenden und den Toten. Besonders wichtig kann dies für jüngere Hinterbliebene sein, die meist noch viel Zeit vor sich haben, bevor sie im Himmel auf die Wiedervereinigung mit den Verstorbenen hoffen können. Die Idee der Engel findet sich weder in der Kirchengeschichte, noch entstammt sie einer bestimmten Kultur oder einem alten Volksglauben; sie ist auch nicht Teil eines Glaubensbekenntnisses, sondern ein Gedanke, eine Vorstellung, welche Trauernde unter besonderen Umständen für sich nutzen und kreativ ausgestalten. Daher kann es als Teil einer volkstümlichen religiösen Vorstellung angesehen werden.

Walter, Tony (2016): “The Dead Who Become Angels: Bereavement and Vernacular Religion”, in: OMEGA, Vol. 73, Nr. 1, S. 3-28.

Bei Interesse am gesamten Artikel wenden Sie sich bitte an h.willmann@trauerforschung.de.

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